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Rekener Wärmenetze sollen neben Bioenergie auch durch Abwärme versorgt werden

Die Biogasanlage Benning mit Blick auf Bahnhof Reken // Foto: Benning Agrar-Energie GmbH

In Reken betreibt die Benning Agrar-Energie GmbH bereits mehrere Wärmenetze von insgesamt ca. 8 Kilometern Länge und versorgt damit 60 Kunden mit Wärme aus ihren Biogas-Blockheizkraftwerken (BHKW). Nun wird untersucht, ob mit weiteren 3 Kilometern Wärmeleitungen eine „Wärmedrehscheibe“ geschaffen werden kann, welche die bestehenden Wärmepotenziale bündelt und die Wärmenachfrage sowie die Wärmeerzeugung zeitlich voneinander entkoppelt. „Das Besondere hierbei ist, dass ein großer Industriestandort seine Prozessabwärme mit einbringen möchte“, so Hermann-Josef Benning, Berater der Benning Agrar-Energie GmbH.

Die Restwärme des Industriebetriebs ist bisher schwierig zurückzugewinnen und wird dem Abwasser zugeleitet. Das Ziel des aktuellen Projekts von Biogasanlagen-Betreiber Benning ist es, diese Wärme zu bündeln und außerhalb des Industriebetriebs zu nutzen, um damit fossile Brennstoffe in umliegenden Gebäuden zu ersetzen.

Der Industriestandort des Abwärmelieferanten bestehe bereits seit vielen Jahren und habe sich immer zeitgemäß weiterentwickelt. „Diese Kooperationsbereitschaft ist ein Bekenntnis zur Nachhaltigkeit und zum Standort Reken“, so Benning. Damit kann die Abwärme fester Bestandteil der zukünftigen Wärmeversorgung im Ortsteil Bahnhof Reken werden.

Mit der Integration des Abwärmelieferanten in die bestehende Wärmeinfrastruktur über eine „Wärmedrehscheibe“, welche mit einem 5.000 m³ fassenden Wärmespeicher ebenfalls Wärme zwischenspeichern kann und zudem weitere regenerative Wärmequellen wie die Biomethan-BHKWs oder Holzhackschnitzel-Kessel mit einbinden soll, bleibt die Versorgung auch dann gewährleistet, wenn mal eine Wärmequelle für eine gewisse Zeit nicht liefern kann. Wärmeangebot und Wärme-Nachfrage können somit zeitlich voneinander entkoppelt werden.

Luftaufnahme der Biogasanlage Benning. Hier wird entsteht das Biomethan für die nachhaltige Wärme. // Foto: Benning Agrar-Energie GmbH

Mit diesem Konzept kann die zunehmende Nachfrage nach nachhaltig erzeugter Wärme aus der angesiedelten Industrie, dem Gewerbe und kommunalen Gebäuden sowie auch Privatgebäuden gedeckt und deren bisherige, fossile Heizungsanlagen ersetzt werden.

Die Machbarkeitsstudie, welche durch Task Force Wärmewende mit einem Wärmegutschein gefördert wird, unterstützt diese Entwicklung mit einer Untersuchung der technischen und wirtschaftlichen Umsetzbarkeit.

Als nächstes steht eine Befragung und der Erstkontakt mit den potenziellen Wärmeabnehmern in Reken an, um das Interesse für dieses Konzept und eine Wärmeabnahme herauszufinden. Anschließend geht es weiter mit einer detaillierten Datenaufnahme bei allen interessierten, künftigen Wärmekunden.

Perspektivisch könnte sogar überschüssiger Windstrom aus geplanten Windparks in der Umgebung zu Zeiten punktueller Stromüberschüsse und damit einhergehender negativer Strompreise per Heizelement (Power-to-Heat) in der Wärmedrehscheibe Reken genutzt werden.

Herr Benning war bereits im Vorgänger-Projekt WiEfm dabei und ist auch auf die weitere Entwicklung der Wärmewende gespannt. „Es ist immer interessant zu sehen, wie die Dinge in der Grenzregion laufen.“ sagt Benning mit Blick auf den deutsch-niederländischen Austausch im INTERREG-Projekt Task Force Wärmewende.

Das Gespräch führte Piriyanha Sivabalasingam von der FH Münster am 03.02.2021.

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