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Bad Zwischenahn: Regenerative und fossilfreie Wärmeversorgung für das Neubaugebiet in Petersfehn

geplantes Baugebiet in Petersfehn / Grafik: Gemeinde Bad Zwischenahn

Mit dem geplanten Baugebiet im Ortsteil Petersfehn beginnt bei der niedersächsische Gemeinde Bad Zwischenahn auch „ein neuer Standard der Ausweisung von Baugebieten“, so Laura Backhaus, Klimaschutzmanagerin der Gemeinde. „Bisher wurden in allen unseren Baugebieten Erdgasleitungen verlegt und wir würden jetzt gerne eine Alternative schaffen.“ Dazu sollen zunächst mit einer im INTERREG-Projekt Task Force Wärmewende geförderten Vorstudie verschiedene Alternativen untersucht und so eine individuelle mit einer gemeinschaftlichen nachhaltigen Wärmeversorgung verglichen werden.

Bei dem neuen Baugebiet handelt es sich um eine rund 4,7 Hektar große Fläche, in welchem das städtebauliche Konzept bis zu 86 Wohneinheiten auf 57 Bauplätzen vorsieht. Dabei sollen sowohl Mehrfamilienhäuser, Reihenhäuser sowie Einfamilien- und Doppelhäuser vorgesehen werden. Zudem sollen bis zu sieben Tiny Houses Platz finden.

Erstmalig wird in einem neuen Baugebiet der Gemeinde ein Effizienzhaus-Standard (EHS) vorgeschrieben, der deutlich über die gesetzlichen Mindestanforderungen hinaus geht. Dabei hat man sich hier auf den KfW-Effizienzhaus-Standard 40 als Mindestanforderung geeinigt. „Wir könnten auch direkt den Passivhaus-Standard vorgeben, wollen dabei jedoch gerne den Mittelweg gehen und über einen Effizienzhaus-Standard 40 zusammen mit z.B. einem kalten Wärmenetz die Wärmeversorgung sicherstellen. Ob dies möglich ist, wird jetzt untersucht.“, so Backhaus.

Dafür modelliert die in Auftrag gegebene Studie mögliche Häuser sowie deren Dämmstandard und Wärme- sowie Strombedarf. Dabei wird neben dem vorgegebenen Mindeststandard EHS 40 auch angenommen, dass manche Bauleute direkt ein Passivhaus bauen wollen. Das Planungs- und Umweltamt, in dem das Projekt angesiedelt ist, ist gespannt, was die Hochrechnungen aus der Studie ergeben und „wie die Bauherren in ihrer Baufreiheit, die sie ja trotzdem haben, bauen werden und ob wir mit unseren Annahmen richtig liegen, beziehungsweise wie genau sich unser Näherungsverfahren am Ende herausstellen wird“, so Backhaus.

Kalte Nahwärme auf Basis von Geothermie

Die Studie untersucht dabei drei verschiedene Energieversorgungs-Varianten: Der Anschluss der Häuser an ein kaltes Nahwärmenetz auf Basis von Geothermie als gemeinschaftliche Wärmeversorgungslösung steht zwei dezentralen Varianten über individuelle Luft/Wasser-Wärmepumpen gegenüber, einmal mit dem Effizienzhaus-Standard 40 und erhöhtem Strombedarf und zweitens mit Passivhaus-Standard und Photovoltaik-Anlagen.

Des Weiteren werden die zukünftigen Gebäude bei flach geneigten Dachausführungen im Sinne des Klimaschutzes und der Klimafolgenanpassung über eine Dachbegrünung, eine energetisch kompakte Bauweise und eine Regenwasserspeicherung verfügen müssen.

Die Unterstützung für das Vorhaben durch den Wärmegutschein des INTERREG-Projekts Task Force Wärmewende findet Laura Backhaus sehr gut und sie freut sich auch über das positive Feedback im Rat der rund 30.000 Einwohner und 18 Ortschaften umfassende Gemeinde, welches in Richtung des Klimaschutzmanagements und des Bauamts signalisiert, „dass sich alle freuen, dass es jetzt einen Schritt ist in den neuen Standard der Baugebietsausweisung gibt“.

Voruntersuchung für Wärmenetze 4.0-Programm des BAFA

Wenn man sich aufgrund der Ergebnisse der derzeitigen Studie für das kalte Nahwärmenetz entschließt, soll eine umfangreichere Machbarkeitsuntersuchung im Rahmen des BAFA-Förderprogramms „Wärmenetze 4.0“ folgen, bei der dann auch ein Thermal Response Test mit Probebohrungen Bestandteil der Untersuchungen sein wird, um die Ergiebigkeit des Bodens für die Wärmegewinnung zu erforschen. Schon jetzt weiß man aber, dass sich der Untergrund in Petersfehn grundsätzlich für die Nutzung von Geothermie eignet, da „wir sehr sand- und lehmhaltige Böden haben, die eine ausgezeichnete Wärmeleit-Funktion haben.“ so Backhaus.

Für die Folgeuntersuchungen reicht die jetzt bewilligte Förderung nicht aus, diese soll dann abhängig vom Ergebnis der Voruntersuchung und weiteren Beschlüssen in einer Studie im BAFA-Programm erfolgen. Weil das BAFA-Programm jedoch längere Antragsfristen hat und viele Nachweise erfordert, findet Laura Backhaus es toll, dass der Wärmegutschein im Vergleich so niederschwellig die Möglichkeit zur Förderung bietet und vergleichsweise schnell eine Rückmeldung über eine Förderung kommt. „Ich glaube, es ist auch wichtig, dass Sie das tun, weil das Thema Wärme ja ein CO2-Treiber ist und deshalb finde ich, haben Sie da das richtige Förderprogramm ausgewählt und den richtigen Förderschwerpunkt gesetzt.“

Akzeptanz für ökologische Alternativen steigern und zur Nachahmung anregen

Von der jetzigen Studie möchte Laura Backhaus lernen, was in der Region möglich ist, in dem unter anderem folgende Fragen beantwortet werden: „Was sind Möglichkeiten für das ganze Thema Geothermie bei uns in der Region? Ist das überhaupt eine Wärmeversorgung, die sich auch für weitere Gebiete anbietet?“ Zudem erhofft sie sich eine Akzeptanzsteigerung für ökologische Alternativen, vielleicht auch indem aufgezeigt wird, dass diese sogar günstiger sein können.

Auf die Frage nach der Übertragbarkeit und dem Nutzen ihrer Studie für die Region antwortet Laura Backhaus: „Wenn man sich für das kalte Nahwärmenetz entschließt, dann hoffen wir auf jeden Fall, dass es Nachahmer gibt, egal wo und in welchen Gebieten, ob in der Gemeinde oder außerhalb der Gemeinde.“ Somit kann auch das Vorhaben in Bad Zwischenahn ein Vorbild-Projekt in der deutsch-niederländischen INTERREG-Region werden.

Das Gespräch führte Christian Käufler von der FH Münster mit Laura Backhaus, Klimaschutzmanagerin der Gemeinde Bad Zwischenahn am 25.11.2021.

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